Riester-Nachfolger · Start 1. Januar 2027

Das Altersvorsorgedepot — ehrlich erklärt

Was der Riester-Nachfolger wirklich bringt, für wen er sich lohnt und worauf es beim Start 2027 ankommt. Ohne Verkaufsinteresse.

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Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist die staatlich geförderte private Altersvorsorge, die ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente ablöst. Das zugrundeliegende Altersvorsorgereformgesetz wurde im Mai 2026 verkündet. Ab dann können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden.

Der große Unterschied zu Riester: Du kannst dein Geld in echte ETFs und Fonds investieren — mit bis zu 100 % Aktienquote und ohne verpflichtende Beitragsgarantie. Das bringt langfristig deutlich höhere Renditechancen, aber auch mehr Schwankung. Wer möchte, kann weiterhin ein Produkt mit 80 % oder 100 % Garantie wählen.

💡 Neu: Erstmals können auch Selbstständige, Freiberufler und Angehörige der Kammerberufe die volle staatliche Förderung nutzen.

Welche Arten von Altersvorsorgedepot gibt es?

Anders als bei Riester gibt es nicht nur ein Produkt, sondern mehrere Varianten. Alle werden nach denselben Regeln gefördert — sie unterscheiden sich aber deutlich in Flexibilität, Kosten und Sicherheit. Wichtig: Der Begriff „Altersvorsorgedepot" wird oft für alle neuen Förderprodukte benutzt, meint im engeren Sinn aber die Variante ohne Garantie.

📈 Freies Altersvorsorgedepot Selbst entscheiden
Für alle, die selbst bestimmen wollen. Du wählst deine ETFs und Fonds frei aus einer gesetzlichen Positivliste — bis zu 100 % Aktienquote, ohne verpflichtende Garantie. Zugelassen sind Fonds und ETFs der Risikoklassen 1–5 (SRRI), dazu EU-Staatsanleihen und Geldmarktfonds. Nicht erlaubt: Einzelaktien, Kryptowährungen, Zertifikate und Hebelprodukte.
Kein gesetzlicher Kostendeckel — dafür kannst du gezielt sehr günstige ETFs wählen · Anbieter können, müssen es aber nicht anbieten
📦 Standarddepot Ohne Vorwissen
Die Basisvariante — jeder Anbieter muss sie anbieten. Dein Geld fließt in zwei voreingestellte Fonds (ein risikoarmer, ein renditeorientierter), ohne dass du Anlageentscheidungen treffen musst. Vor dem Renteneintritt wird automatisch schrittweise in sicherere Anlagen umgeschichtet. Gedacht für Einsteiger, die sich nicht mit Wertpapieren beschäftigen möchten.
Gesetzlicher Kostendeckel: maximal 1,0 % pro Jahr
🏛️ Staatlich getragenes Standarddepot Öffentlicher Träger
Zusätzlich soll es ein Standarddepot von einem öffentlichen Träger geben, das dem privaten Standarddepot in der Ausgestaltung gleicht. Es richtet sich vor allem an Menschen, die bisher gar nicht am Kapitalmarkt aktiv waren. Wie genau es umgesetzt wird, ist noch nicht final bekannt.
Details werden noch per Verordnung konkretisiert
🛡️ Garantieprodukte (80 % / 100 %) Maximale Sicherheit
Für Sicherheitsorientierte bleibt ein Produkt mit Beitragsgarantie wählbar: Zu Rentenbeginn stehen garantiert 80 % oder 100 % deiner Einzahlungen plus Zulagen bereit. Der Preis dafür: geringere Renditechancen, weil weniger renditestark investiert werden kann.
Höhere Sicherheit, dafür weniger Rendite über die Jahrzehnte
⚠️ Für die meisten mit langem Anlagehorizont ist das freie Depot mit günstigen ETFs die renditestärkste Wahl. Garantieprodukte kosten über 30+ Jahre spürbar Rendite — die Garantie hat ihren Preis.

Wer bietet das Altersvorsorgedepot an?

Ein Altersvorsorgedepot darf nur anbieten, wer vom Staat (BMF/BaFin) zertifiziert ist. Die offizielle Liste führt das Bundeszentralamt für Steuern. Erwartet werden vier Anbieter-Typen — mit erheblichen Kostenunterschieden:

📱 Neobroker
ca. 0–0,3 % p.a.
Scalable, Trade Republic, finanzen.net ZERO — meist am günstigsten, App-basiert
💻 Direktbanken
niedrig–mittel
ING, DKB — Depot plus vollwertiges Bankkonto
🏦 Filialbanken
höher
Beratung vor Ort, dafür teurer — auf Gesamtkosten achten
📋 Versicherer
meist am höchsten
Allianz & Co. — oft mit Versicherungsmantel, teurer

Stand Mitte 2026 hat noch kein Anbieter final feststehende Konditionen veröffentlicht — das ist normal, der Marktstart ist erst Anfang 2027. Sobald echte Zahlen vorliegen, findest du hier einen unabhängigen Vergleich.

Welche Zulagen gibt es?

Die staatliche Förderung wurde gegenüber Riester deutlich verbessert. Sie besteht aus drei Bausteinen:

540 €
Grundzulage pro Jahr (max.)
300 €
Kinderzulage je Kind & Jahr
200 €
Einmalig für Berufseinsteiger unter 25

Die Grundzulage funktioniert gestaffelt: Auf die ersten 360 € Eigenbeitrag legt der Staat 50 Cent je Euro drauf, auf jeden weiteren Euro bis 1.800 € noch 25 Cent. Maximal sind 540 € pro Jahr möglich — mehr als das Dreifache der alten Riester-Grundzulage von 175 €.

Du kannst auch mehr als 1.800 € einzahlen — insgesamt bis zu 6.840 € pro Jahr. Für den Teil darüber gibt es zwar keine Zulagen, aber die Erträge wachsen weiter steuerfrei und werden bei der Auszahlung günstiger besteuert. Für Geringverdiener (Einkommen unter ca. 26.250 €) ist zudem ein zusätzlicher Bonus von 175 € pro Jahr vorgesehen.

💡 Rechne deine persönliche Förderung im Förder-Rechner aus.

Warum die Kosten wichtiger sind als die Förderung

Die Zulagen klingen attraktiv — aber der größte Hebel für dein Endvermögen sind langfristig die laufenden Kosten des Depots. Der gesetzliche Kostendeckel von 1 % pro Jahr gilt für das Standarddepot. Beim freien Depot gibt es keinen Deckel — dort bestimmst du die Kosten selbst über die Wahl günstiger ETFs und Anbieter. Günstige Anbieter dürften deutlich unter 1 % liegen.

⚠️ Über 40 Jahre kann der Unterschied zwischen 0,2 % und 1 % Kosten pro Jahr rund 65.000 € ausmachen — bei gleicher Einzahlung. Die Anbieterwahl entscheidet also mehr über dein Endkapital als die Zulage selbst.

Deshalb gilt: Nicht das erstbeste Angebot nehmen, sondern beim Start 2027 gezielt auf die Gesamtkosten (Depotgebühr, ETF-Kosten, Effektivkostenquote) achten. Genau hier findest du bei uns beim Marktstart einen unabhängigen Vergleich.

Wie wird das Depot in der Auszahlung besteuert?

Es gilt das sogenannte EET-Prinzip: In der Ansparphase bleibt alles steuerfrei (keine Steuer auf Beiträge, keine auf Kursgewinne oder Dividenden), dafür wird in der Rente besteuert.

Wichtig zu verstehen: Bei den geförderten Beiträgen (bis 1.800 €/Jahr) plus Zulagen wird bei der Auszahlung der gesamte Betrag mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert — also auch dein selbst eingezahltes Geld, nicht nur die Gewinne. Das ist der Preis dafür, dass in der Ansparphase gar keine Steuer anfiel.

💡 In der Regel lohnt sich das trotzdem: Im Ruhestand ist dein Steuersatz meist niedriger als im Berufsleben — typischerweise 20–30 % statt des höheren Satzes während der Erwerbsjahre.

Für Einzahlungen über den geförderten Höchstbetrag von 1.800 € hinaus gilt eine günstigere Regel (Ertragsanteils- bzw. Halbeinkünfteverfahren): Dann ist nur ein Teil der Gewinne steuerpflichtig.

⚠️ Ehrlicher Nachteil: Anders als im normalen ETF-Depot gibt es im Altersvorsorgedepot keine Teilfreistellung (im normalen Depot bleiben 30 % der Fondsgewinne steuerfrei). Wer im Alter einen hohen Steuersatz erwartet, kann mit einem ungeförderten ETF-Depot nach Steuern besser fahren — rechne beide Varianten in unserem Rechner durch.

Kann ich früher rankommen, um ein Eigenheim zu kaufen?

Ja. Du kannst dein Kapital schon während der Ansparphase für selbstgenutztes Wohneigentum entnehmen — für Kauf, Bau oder auch die energetische Sanierung. Diese Entnahme ist förderunschädlich: Deine bisherigen Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten.

Ein Vorteil gegenüber dem alten Wohn-Riester: Der frühere 20-jährige Überwachungszeitraum entfällt. Der entnommene Betrag wird auf einem sogenannten Wohnförderkonto geführt und später im Rentenalter nachgelagert besteuert.

⚠️ Nur für selbstgenutzte Immobilien — nicht für vermietete. Und: Das entnommene Geld fehlt dann im Depot und arbeitet nicht mehr für deine Rente. Der Zinseszinseffekt geht für diesen Teil verloren.

Wie wird später ausgezahlt?

Die Auszahlung ist ab dem 65. Lebensjahr möglich. Anders als früher gibt es keine Pflicht zur lebenslangen Verrentung mehr — du hast die Wahl:

Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr — dein Kapital bleibt dabei investiert und kann weiter wachsen.
Klassische lebenslange Rente über einen Versicherer.
Kombination: Bis zu 30 % des Kapitals kannst du dir zum Start als Einmalbetrag auszahlen lassen, der Rest läuft als Plan oder Rente weiter.

Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Für alle mit langem Anlagehorizont (20+ Jahre bis zur Rente) — hier wirkt der Zinseszins am stärksten.
Für Familien mit Kindern — durch die Kinderzulage von bis zu 300 € je Kind besonders attraktiv.
Für Berufseinsteiger unter 25 — dank Bonus und niedriger Einstiegsbeiträge.
Für Selbstständige, die bisher von der Riester-Förderung ausgeschlossen waren.
Weniger geeignet, wenn du das Geld vor der Rente brauchst — die Auszahlung ist frühestens ab 65 möglich und das Kapital bis dahin gebunden.

Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?

Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz. Du kannst deinen Vertrag weiterführen, beitragsfrei stellen oder — sofern der Anbieter das anbietet — das angesparte Kapital ins neue Altersvorsorgedepot übertragen.

Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt stark von deinem Altvertrag ab: Bei teuren, renditeschwachen Riester-Verträgen kann der Umstieg in ein günstiges Depot sinnvoll sein. Bei Verträgen mit hohen garantierten Leistungen oder kurz vor Rentenbeginn eher nicht. Das solltest du individuell durchrechnen.

⚠️ Wichtig: Übertragen ist nicht kündigen! Bei einer Kündigung musst du sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Beim geregelten Wechsel ins neue Depot bleibt die alte Förderung dagegen erhalten (Wechselgebühr maximal 150 €, nach 5 Jahren Vertragslaufzeit kostenlos). Und: Der Wechsel ist eine Einbahnstraße — zurück ins alte Riester-System geht es nicht. Prüfe vorher genau, was dein bestehender Vertrag bietet.

Die wichtigsten Begriffe

Grundzulage
Staatlicher Zuschuss, den du unabhängig von deinem Einkommen erhältst, wenn du selbst einzahlst. Bis zu 540 € pro Jahr.
Nachgelagerte Besteuerung
Auf den geförderten Teil zahlst du in der Ansparphase keine Steuern — dafür wird die Auszahlung im Rentenalter als Einkommen versteuert.
Effektivkosten
Alle jährlichen Kosten des Depots in einem Prozentsatz. Gesetzlich auf maximal 1 % gedeckelt — je niedriger, desto besser fürs Endkapital.
Beitragsgarantie
Beim Altersvorsorgedepot nicht verpflichtend. Ohne Garantie kannst du voll in Aktien-ETFs investieren — höhere Renditechance, aber auch mehr Schwankung.
Günstigerprüfung
Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Zulagen oder der Sonderausgabenabzug für dich günstiger sind — du bekommst immer die bessere Variante.
Positivliste
Die gesetzliche Aufzählung aller erlaubten Anlagen im Depot: ETFs, Fonds und EU-Staatsanleihen. Nicht erlaubt sind Einzelaktien, Krypto und Hebelprodukte.
SRRI-Risikoklasse
Eine Skala von 1 (sehr sicher) bis 7 (sehr schwankend), die das Risiko eines Fonds angibt. Im Altersvorsorgedepot sind Fonds der Klassen 1 bis 5 zugelassen — das schließt praktisch alle breit gestreuten Welt-ETFs ein.
Teilfreistellung
Im normalen Depot bleiben 30 % der Gewinne aus Aktienfonds steuerfrei. Im Altersvorsorgedepot gibt es diese Regelung nicht — dafür ist dort die gesamte Ansparphase steuerfrei.
Wohnförderkonto
Wenn du Kapital fürs Eigenheim entnimmst, wird der Betrag hier erfasst und im Rentenalter nachträglich besteuert — die entnommene Förderung bleibt aber erhalten.

Berechne jetzt deine persönliche staatliche Förderung

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Dieser Ratgeber dient zur Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung. Einzelne Detailregelungen werden noch per Verordnung und BMF-Schreiben konkretisiert. Stand: Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.